{"id":8185,"date":"2021-05-01T20:31:56","date_gmt":"2021-05-01T18:31:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/?page_id=8185"},"modified":"2021-05-01T21:18:54","modified_gmt":"2021-05-01T19:18:54","slug":"auswirkungen-von-pandemien-auf-die-reale-produktionsstruktur-arbeitsmarkt-prozess-der-kapitalguterstufen-und-auswirkungen-von-unsicherheit","status":"publish","type":"articulo","link":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/articles\/articles-in-deutch\/die-okonomischen-effekte-der-pandemie\/auswirkungen-von-pandemien-auf-die-reale-produktionsstruktur-arbeitsmarkt-prozess-der-kapitalguterstufen-und-auswirkungen-von-unsicherheit\/","title":{"rendered":"Auswirkungen von Pandemien auf die reale Produktionsstruktur: Arbeitsmarkt, Prozess der Kapitalg\u00fcterstufen und Auswirkungen von Unsicherheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Arbeitsmarkt<\/strong><\/p>\n<p>Das Auftreten einer neuen hochansteckenden Krankheit, die sich weltweit mit einer hohen Sterblichkeitsrate ausbreitet, ist zweifelsohne ein Katastrophenszenario, das kurz-, mittel- und sogar langfristig eine ganze Reihe wichtiger wirtschaftlicher Folgen nach sich ziehen kann. Dazu geh\u00f6ren in erster Linie die Kosten in Form von Menschenleben, von denen viele noch in vollem Umfang kreativ und im Produktionsprozess sind. Erinnern wir uns z. B. daran, dass die so genannte &#8220;Spanische Grippe&#8221; ab 1918 weltweit sch\u00e4tzungsweise 40 bis 50 Millionen Opfer forderte (also mehr als das Dreifache der Todesf\u00e4lle unter Kombattanten und Zivilisten w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs); diese Grippepandemie betraf vor allem relativ junge und robuste M\u00e4nner und Frauen, also im vollen produktiven Alter.(1) Im Gegensatz dazu ist die derzeitige Covid-19- Pandemie, die durch das SARS-CoV-2-Virus ausgel\u00f6st wird, zwar bei 85 Prozent der Infizierten mit relativ milden Symptomen verbunden, f\u00fcr die restlichen f\u00fcnfzehn Prozent jedoch schwerwiegend, so dass bei einem Drittel von ihnen sogar ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist und etwa jeder f\u00fcnfte Schwerstkranke stirbt, wobei es sich bei der \u00fcberwiegenden Mehrheit um \u00e4ltere Menschen handelt, die bereits im Ruhestand sind oder erhebliche Vorerkrankungen haben.<\/p>\n<p>Daher hat die aktuelle Pandemie keine nennenswerten Auswirkungen auf das Angebot an Arbeitskr\u00e4ften und menschlicher Tatkraft auf dem Arbeitsmarkt, da der Anstieg der Todesf\u00e4lle von Menschen im erwerbsf\u00e4higen Alter relativ gering ist. Wie bereits erw\u00e4hnt, steht diese Situation in starkem Kontrast zu derjenigen, die durch die &#8220;Spanische Grippe&#8221; hervorgerufen wurde. Man sch\u00e4tzt, dass nach der\u201eSpanischen Grippe\u201c das Arbeitskr\u00e4fteangebot weltweit insgesamt um etwa 2 Prozent schrumpfte, wenn man sowohl diejenigen ber\u00fccksichtigt, die an der Krankheit starben, als auch diejenigen, die w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren (40 oder 50 Millionen Tote durch die Krankheit und mehr als 15 Millionen durch den Krieg). Dieser relative Arbeitskr\u00e4ftemangel dr\u00fcckte die Reall\u00f6hne in den &#8220;gl\u00fccklichen Zwanzigern&#8221; des letzten Jahrhunderts nach oben, w\u00e4hrend die Umstrukturierung der Weltwirtschaft von einer Kriegs- zu einer Friedenswirtschaft vollzogen wurde. Dieser Prozess wurde von einer gro\u00dfen Kreditexpansion begleitet, die wir hier nicht detailliert analysieren k\u00f6nnen, die aber auf jeden Fall die Grundlage f\u00fcr die &#8220;Gro\u00dfe Depression&#8221; legte, die aus der schweren Finanzkrise von 1929 hervorging(2).<\/p>\n<p>Im Laufe der Geschichte haben verschiedene Pandemien einen noch gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf den Arbeitsmarkt gehabt. So zum Beispiel die gro\u00dfe Pest, die Europa ab 1348 verw\u00fcstete und die Gesamtbev\u00f6lkerung sch\u00e4tzungsweise um mindestens ein Drittel reduziert hat. Nach der Pandemie gab es daher einen bedeutenden Anstieg der Reall\u00f6hne, der sich in den folgenden Jahrzehnten aufgrund des gro\u00dfen Arbeitskr\u00e4ftemangels verfestigte. In diesem Sinne ist es zum Verzweifeln zu sehen, wie monetaristische und vor allem keynesianische \u00d6konomen immer wieder auf die angeblich &#8220;segensreichen&#8221; wirtschaftlichen Auswirkungen von Kriegen und Pandemien verweisen (angeblich segensreich f\u00fcr alle, au\u00dfer f\u00fcr die Millionen von Menschen, die in diesen Kriegen und Pandemien gestorben sind und verarmten). Sie argumentieren, dass diese Trag\u00f6dien es den Volkswirtschaften erlaubten, sich aus ihrer Tr\u00e4gheit zu befreien und den Weg zu einem florierenden &#8220;Wohlstand&#8221; einzuschlagen. Gleichzeitig rechtfertigten diese Trag\u00f6dien die Wirtschaftspolitik des intensiven geld- und fiskalpolitischen Interventionismus. Mises qualifiziert mit gewohntem Scharfsinn diese Theorien und Wirtschaftspolitiken, die nur die Geldmenge pro Kopf und vor allem die Ausgaben der staatlichen Beh\u00f6rden rechtfertigen und zu erh\u00f6hen suchen, als reinen &#8220;wirtschaftlichen Destruktivismus&#8221;.(3)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Die Produktionsstruktur und die Kapitalg\u00fcter<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Neben diesen Effekten auf die Bev\u00f6lkerung und den Arbeitsmarkt sind zweitens die Auswirkungen einer Pandemie auf die soziale Zeitpr\u00e4ferenzrate und damit auf den Zinssatz und die Produktionsstruktur der Kapitalg\u00fcterstufen zu ber\u00fccksichtigen. In diesem Sinne ist vielleicht das katastrophalste denkbare Szenario jenes, welches Boccaccio in seiner Einleitung zum <em>Dekameron <\/em>in Bezug auf die Beulenpest beschreibt, die Europa im vierzehnten Jahrhundert heimsuchte. Wenn die allgemeine \u00dcberzeugung besteht, dass kurz- oder mittelfristig eine hohe Ansteckungs- und Todeswahrscheinlichkeit existiert, ist es durchaus verst\u00e4ndlich, dass sich die subjektiven Wertungen auf gegenw\u00e4rtigen und unmittelbaren Konsum konzentrieren. &#8220;Lasst uns essen und trinken, denn morgen werden wir sterben&#8221;, oder &#8220;lasst uns Bu\u00dfe tun und beten und unser geistliches Leben in Ordnung bringen&#8221; sind zwei durchaus verst\u00e4ndliche antagonistische Positionen angesichts der Pandemie, aber sie haben den gleichen wirtschaftlichen Effekt: Welchen Sinn hat es, zu sparen und Investitionsprojekte zu unternehmen, die erst in einer fernen Zukunft Fr\u00fcchte tragen k\u00f6nnen, in der weder wir noch unsere Kinder da sein werden und deren Ertr\u00e4ge wir nicht ernten k\u00f6nnen? Das offensichtliche Ergebnis, das beispielsweise im von der Beulenpest heimgesuchten Florenz des 14. Jahrhunderts zu beobachten war, war die massive Aufgabe von Bauernh\u00f6fen, Viehbest\u00e4nden, Feldern und Werkst\u00e4tten und allgemein die Vernachl\u00e4ssigung und der ersatzlose Verbrauch von Kapitalg\u00fctern.(4) Dieses Ph\u00e4nomen l\u00e4sst sich grafisch vereinfacht darstellen, wie ich im Abschnitt &#8220;Der Fall einer zur\u00fcckgehenden Wirtschaft&#8221; in meinem Buch <em>Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen(<\/em><em>5) <\/em>anhand der bekannten Hayekianischen Dreiecke erkl\u00e4re, die die Produktionsstruktur einer Gesellschaft darstellen (und deren Bedeutung und ausf\u00fchrliche Erkl\u00e4rung auf S. 242 ff. desselben Buches studiert werden kann).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8190 size-full\" src=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-1.png\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"239\" data-id=\"8190\" srcset=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-1.png 564w, https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-1-300x127.png 300w\" sizes=\"(max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><\/p>\n<p>Wie wir in Abbildung 1 sehen k\u00f6nnen, gibt es in diesem Fall einen pl\u00f6tzlichen und starken Anstieg der sozialen Zeitpr\u00e4ferenzrate, der den unmittelbaren monet\u00e4ren Konsum (Abbildung b) zum Nachteil der Investitionen erh\u00f6ht. Konkret werden mehrere Stufen des Produktionsprozesses, dargestellt durch den schattierten Bereich in Abbildung (c), aufgegeben und ein sehr wichtiger Teil der Bev\u00f6lkerung h\u00f6rt auf zu arbeiten (durch Tod oder freiwillig) und diejenigen, die \u00fcberleben, widmen sich dem Verbrauch von Konsumg\u00fctern (deren Preise in Geldeinheiten aufgrund der Kontraktion ihres Angebots und des allgemeinen R\u00fcckgangs der Geldnachfrage in die H\u00f6he schie\u00dfen). Die Transaktionen auf dem Markt f\u00fcr Zeit- und Kreditmittel kommen praktisch zum Erliegen und die Zinsen f\u00fcr die wenigen Kredittransaktionen, die stattfinden, gehen &#8220;durch die Decke&#8221;.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum vorherigen Szenario gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass es bei der aktuellen Covid-19-Pandemie zu einer signifikanten Ver\u00e4nderung der sozialen Zeitpr\u00e4ferenzrate gekommen ist (abgesehen von der Auswirkung der vor\u00fcbergehenden Zunahme der Unsicherheit, die wir sp\u00e4ter untersuchen werden). Einerseits \u00e4hneln die aktuellen Umst\u00e4nde nicht im Entferntesten denen einer so schweren Pandemie, wie sie Boccaccio im <em>Dekameron <\/em>beschreibt. Wie wir bereits angedeutet haben, ist die vorhersehbare \u00dcbersterblichkeit der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter praktisch irrelevant und die Erwartungen hinsichtlich des erfolgreichen Abschlusses von Investitionsprozessen mit weiter zur\u00fcckliegender zeitlicher Reife bleiben unver\u00e4ndert (z. B. wird weiterhin in die Konstruktion, Innovation und Produktion der Elektroautos der Zukunft und in viele andere langfristige Investitionsprojekte investiert). Andererseits hat sich, wenn es keine signifikante \u00c4nderung in der sozialen Zeitpr\u00e4ferenzrate gegeben hat, auch die Struktur der Produktionsstufen von Kapitalg\u00fctern, wie sie in der Hayek&#8217;schen Grafik vereinfacht beschrieben wird, nicht ver\u00e4ndert, mit Ausnahme von drei Effekten, einem sehr kurzfristigen, einem mittelfristigen (1 bis 3 Jahre) und einem dritten von l\u00e4ngerer und sogar unbestimmter Dauer.<\/p>\n<p>1. Im ersten Fall handelt es sich um die unmittelbare und vor\u00fcbergehend reduzierte Wirkung (von einigen Monaten), die die von den Regierungen auferlegten Zwangsbeschr\u00e4nkungen auf die reale Produktivstruktur hatten. Es kann davon ausgegangen werden, dass der f\u00fcr einige Monate verordnete wirtschaftliche &#8220;Stillstand&#8221; relativ gesehen vor allem die vom Endverbrauch entfernteren produktiven Anstrengungen betroffen hat: Schlie\u00dflich musste die Bev\u00f6lkerung, auch die zu Hause aufgrund des Lockdowns Eingeschlossenen, welche nicht arbeiten konnten, weiterhin Konsumg\u00fcter und Dienstleistungen nachfragen und konsumieren (auch durch E-Commerce &#8211; Amazon, etc. &#8211; da viele Gesch\u00e4fte und Endverteiler zur Schlie\u00dfung gezwungen waren, da sie nicht als &#8220;wesentliche T\u00e4tigkeiten&#8221; angesehen wurden). Wenn dies der Fall ist und wenn man au\u00dferdem davon ausgeht, dass die auf den Konsum gerichtete monet\u00e4re Endnachfrage nicht wesentlich ver\u00e4ndert wurde, weil die Haushalte bei der von den Beh\u00f6rden erzwungenen Arbeitslosigkeit auf ihre finanziellen Reserven zur\u00fcckgegriffen oder ihre Einkommensverluste\u00a0 durch\u00a0\u00a0 Mittel aus befristeten Arbeitslosenunterst\u00fctzungen (in Spanien ERTES, ERES usw.) ersetzt haben, wird die Produktionsstruktur in monet\u00e4rer Hinsicht \u00fcber einen kurzen Zeitraum pendeln, wie unten dargestellt (Abbildung 2):<img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8192 size-full\" src=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-2.png\" alt=\"\" width=\"445\" height=\"150\" data-id=\"8192\" srcset=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-2.png 445w, https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-2-300x101.png 300w\" sizes=\"(max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><br \/>\nIn jedem Fall kann der Produktionsprozess, sobald die erzwungene &#8220;Abschaltung&#8221; des Produktionsprozesses vorbei ist und die Produktionsfaktoren wieder an die Arbeit gehen, wieder dort beginnen, wo er aufgeh\u00f6rt hat, da keine systematischen von Fehlinvestitionen erzeugten Fehler aufgedeckt wurden, die nun wieder umgewandelt werden m\u00fcssten(6). Im Gegensatz zu dem, was in der Gro\u00dfen Rezession von 2008 geschah, wurde die Produktionsstruktur nicht irreversibel besch\u00e4digt, so dass kein langwieriger und schmerzhafter Prozess der Umstellung und massiven Neuverteilung von Arbeit und Produktionsfaktoren notwendig ist: Es ist einfach erforderlich, dass Unternehmer, Arbeiter und Selbstst\u00e4ndige zur Arbeit zur\u00fcckkehren, die Aufgaben wieder aufnehmen, bei denen sie unterbrochen wurden, und die Kapitalausstattung nutzen, die damals (vor ein paar Monaten) noch intakt war und jetzt ebenso verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<p>In Bezug auf diesen ersten Effekt auf sehr kurze Sicht sollte klargestellt werden, dass derselbe Effekt auch eintritt, wenn auch in einer viel sanfteren, weniger traumatischen Weise und daher zu einer viel geringeren Oszillation der in der Grafik angezeigten Pendelbewegung f\u00fchrt, wenn die Abschaltungen auf freiwilliger und selektiver Weise stattgefunden h\u00e4tten und auf der &#8220;Mikro&#8221;-Ebene von Familien, Unternehmen, Wohnsiedlungen, Nachbarschaften usw. beschlossen worden w\u00e4ren; im Rahmen einer freien Gesellschaft, in der es entweder keine monopolistischen Regierungen gibt (Selbstverwaltung, wie sie f\u00fcr den Anarchokapitalismus typisch ist) oder diese nicht zentralistisch sind und keine verallgemeinernden und zwanghaften Ma\u00dfnahmen eine willk\u00fcrlichen Lockdowns auferlegen.<\/p>\n<p>2. Es gibt jedoch verschiedene Sektoren, die wesentlich mit der Stufe des Endverbrauchs zusammenh\u00e4ngen und deren Nachfrage nach dem Ende der Pandemie und eine Zeit lang drastisch reduziert Dieser Zeitraum kann sich \u00fcber viele Monate erstrecken(7) und dauert so lange bis die Pandemie \u00fcberwunden und die volle Normalit\u00e4t der Mobilit\u00e4t vor ihrem Ausbruch wiederhergestellt ist. Grunds\u00e4tzlich erfordern Sektoren wie Tourismus, Transport, Hotels und Unterhaltung, die in bestimmten Volkswirtschaften wie der spanischen, in der der Tourismus fast 15 Prozent des BIP ausmacht, relativ sehr wichtig sind, eine tiefgreifendere Ver\u00e4nderung als die im vorhergehenden Punkt beschriebene. Sie wirken sich auch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum (etwa zwei Jahre) auf die Produktionsstruktur aus. Wenn die Haushalte unter sonst gleichen Bedingungen weniger im Flugverkehr, in Hotels, Restaurants oder Theatern konsumieren, werden sie nat\u00fcrlich ein mehr an anderen G\u00fctern und Dienstleistungen des alternativen oder Ersatzkonsums konsumieren, oder sie werden mehr Einkommen f\u00fcr Investitionen einsetzen oder ihre Kassenhaltung erh\u00f6hen. Abgesehen von der m\u00f6glichen Erh\u00f6hung der Geldnachfrage, auf die wir sp\u00e4ter eingehen werden, wenn wir \u00fcber die Unsicherheit sprechen, ist es klar, dass sich die Produktionsstruktur vor\u00fcbergehend an die neuen Umst\u00e4nde anpassen muss, indem sie die Ressourcen, die in den betroffenen Sektoren (zumindest teilweise) noch aktiv sind, und vor allem diejenigen bestm\u00f6glich nutzt, die gezwungenerma\u00dfen und vor\u00fcbergehend arbeitslos sind und sich auf alternative Produktionszweige umorientieren m\u00fcssen, in denen sie eine profitable Besch\u00e4ftigung finden k\u00f6nnen (vor\u00fcbergehend oder dauerhaft).<\/p>\n<p>So werden z. B. bestimmte Restaurants trotz aller Widrigkeiten ge\u00f6ffnet bleiben, ihr Angebot umstellen (z. B. indem sie einen Lieferservice anbieten), ihre Ausgaben so weit wie m\u00f6glich reduzieren (indem sie Mitarbeiter entlassen oder sie direkt oder indirekt umwandeln, z. B. als Fahrer nutzen usw.) und ihre Verpflichtungen gegen\u00fcber Zulieferern anpassen, um Verluste und Kapitalkonsum zu minimieren. Auf diese Weise vermeiden sie es, Jahre des Reputationsaufbaus und der Anh\u00e4ufung wertvoller, schwer umzuschichtender Kapitalg\u00fcter zu verlieren, in der Erwartung, dass sie, wenn sich die Umst\u00e4nde \u00e4ndern, besser positioniert sind als ihre Konkurrenten und mit erheblichen Wettbewerbsvorteilen dem erwarteten erneuten Aufschwung in der Branche gegen\u00fcberstehen. Andere Unternehmer werden sich im Gegenteil daf\u00fcr entscheiden, sich in den &#8220;Winterschlaf&#8221; zur\u00fcckzuziehen, indem sie ihre Unternehmen vor\u00fcbergehend schlie\u00dfen, aber die entsprechenden Infrastrukturen und Arbeitskontakte bereithalten, um so schnell wie m\u00f6glich wieder zu er\u00f6ffnen, sobald es die Umst\u00e4nde erlauben. Eine dritte Gruppe, die in der Regel aus denjenigen Gesch\u00e4ftsprojekten besteht, die selbst unter den Bedingungen vor der Pandemie marginal weniger profitabel waren, wird gezwungen sein, ihre Gesch\u00e4fte endg\u00fcltig zu schlie\u00dfen und ihre jeweiligen Gesch\u00e4ftsprojekte zu liquidieren.<\/p>\n<p>All diese unternehmerischen Schritte und Entscheidungen k\u00f6nnen und sollten relativ schnell und zu m\u00f6glichst geringen Kosten getroffen werden, was nur in einer dynamisch effizienten Wirtschaft m\u00f6glich ist, die die freie Aus\u00fcbung der unternehmerischen Funktion f\u00f6rdert und sie nicht durch abtr\u00e4gliche Regulierungen, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, und abschreckende Steuern behindert. Offensichtlich sind es nicht die Regierung oder ihre Beamten, sondern nur ein Heer von Unternehmern, die trotz aller Widrigkeiten mit unersch\u00fctterlichem Vertrauen in eine bessere Zukunft voranschreiten und die Zuversicht bewahren, dass diese bessere Zukunft fr\u00fcher oder sp\u00e4ter kommen wird. Es ist dieses Heer an Unternehmern das in der Lage ist, zu jedem Zeitpunkt und unter den jeweiligen Umst\u00e4nden von Zeit und Ort die angemessensten Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p>In Bezug auf unser vereinfachtes Dreieck der Produktionsstruktur l\u00e4sst sich unter der Annahme, dass es keine signifikante \u00c4nderung in der sozialen Zeitpr\u00e4ferenzrate gibt, h\u00f6chstens ein horizontaler Schwenk der Hypotenuse des entsprechenden Dreiecks nach links darstellen (siehe Grafik 3), unter der Aufnahme der Gesamtwirkung der geringeren Nachfrage in den betroffenen Sektoren (und ihren jeweiligen Zulieferern) und dann wieder nach rechts, in dem Ma\u00dfe, in dem diese Nachfrage w\u00e4hrend des Zeitraums von mehreren Monaten, den es braucht, um zur vollen Normalit\u00e4t zur\u00fcckzukehren, durch eine andere Alternative ersetzt wird, und in dem Ma\u00dfe, in dem ein gro\u00dfer Teil der f\u00fcr die genannten Sektoren verlorenen monet\u00e4ren Nachfrage wiedergewonnen wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8194 size-full\" src=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-3.png\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"205\" data-id=\"8194\" srcset=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-3.png 438w, https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-3-300x140.png 300w\" sizes=\"(max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><\/p>\n<p>Offensichtlich erlaubt uns das Diagramm nicht, die unz\u00e4hligen Gesch\u00e4ftsentscheidungen und realen Investitionsbewegungen zu erfassen, die durch die schnelle und flexible horizontale Oszillation, die durch die zweiseitigen Pfeile dargestellt wird, impliziert werden. Aber es erlaubt uns, das ernsthafte Risiko zu veranschaulichen, das mit einer Politik verbunden ist, die dazu tendiert, die Produktionsstruktur zu verfestigen und einerseits &#8220;Zombie&#8221;-Unternehmen aufrechtzuerhalten, die so schnell wie m\u00f6glich liquidiert werden sollten, w\u00e4hrend gleichzeitig der &#8220;Rebound&#8221;-Effekt rechts von der Hypotenuse unseres Dreiecks durch Regulierung und Besteuerung verhindert wird. Fiskalische und regulatorische Eingriffe k\u00f6nnen die reale Produktionsstruktur auf unbestimmte Zeit in Position BB fixieren und verhindern, dass sie in Richtung Position AA zur\u00fcckprallt.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass all diese schnellen Anpassungs- und Erholungsprozesse einen sehr agilen und flexiblen Arbeitsmarkt erfordern, in dem es m\u00f6glich ist, sehr schnell und zu minimalen Kosten zu entlassen und wieder einzustellen. Es sollte daran erinnert werden, dass im Gegensatz zu dem, was in der Gro\u00dfen Rezession von 2008 geschah (und im Allgemeinen nach allen Finanzkrisen, die auf lang anhaltende Prozesse der Kreditexpansion folgen), im Fall der aktuellen Pandemie nicht von einer allgemeinen Fehlinvestition produktiver Ressourcen ausgegangen wird (zum Beispiel, wie es im Bausektor vor 2008 geschehen war), und was eine erhebliche strukturelle Langzeitarbeitslosigkeit begr\u00fcnden k\u00f6nnte. Stattdessen ist bei der heutigen Krise eine nachhaltige, schnelle und dauerhafte Reallokation von Arbeit und Produktionsfaktoren m\u00f6glich, was eine m\u00f6glichst freie und agile Gestaltung der entsprechenden Arbeits- und Faktorm\u00e4rkte erfordert.<\/p>\n<p>3. Es bleibt uns noch bestimmte \u00c4nderungen in den Konsumgewohnheiten der Bev\u00f6lkerung zu analysieren, die dauerhafte Modifizierungen der Produktionsstruktur der Investitionsstufen bei den Kapitalg\u00fctern der Gesellschaft Zu diesem Zweck ist darauf hinzuweisen, dass sich in jeder freien Marktwirtschaft die Produktionsstruktur immer allm\u00e4hlich und nicht traumatisch an die Ver\u00e4nderungen des Geschmacks und die Bed\u00fcrfnisse der Verbraucher anpasst. Und obwohl man zugeben muss, dass die Pandemie eine Beschleunigung der Entdeckung und endg\u00fcltigen \u00dcbernahme bestimmter neuer Verhaltensweisen durch eine Mehrheit der Verbraucher bewirken kann (z. B. in Bezug auf die allgemeine Verbreitung des elektronischen Gesch\u00e4ftsverkehrs, die st\u00e4rkere Nutzung bestimmter Zahlungsmittel oder die allgemeine Verbreitung von Videokonferenzen in der Gesch\u00e4fts- und Bildungswelt usw. ), werden in der Praxis ihre Auswirkungen vielleicht \u00fcbertrieben, vor allem wenn wir diese vermeintlich radikalen Ver\u00e4nderungen mit denen vergleichen, die sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts sowohl aus der sich beschleunigenden Globalisierung von Handel und Gewerbe als auch aus der technologischen Revolution ergeben, die diese begleitet und erm\u00f6glicht hat. All dies hat es Hunderten von Millionen Menschen erm\u00f6glicht, sich aus der Armut zu befreien, und die Eingliederung von Milliarden von Menschen (vor allem in Asien und Afrika) in die globalen Produktionsstr\u00f6me erm\u00f6glicht. Diese Menschen hatten bisher am Rande der produktiven und kommerziellen Str\u00f6me der marktwirtschaftlichen Welt gestanden. Die Produktivkr\u00e4fte des Kapitalismus wurden so entfesselt wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit, und trotz der Last staatlicher Eingriffe und Regulierungen, die die Fl\u00fcgel des Fortschritts immer wieder hemmen und behindern, hat die Menschheit einen gro\u00dfen sozialen und wirtschaftlichen Erfolg erzielt. Es ist gelungen, eine Bev\u00f6lkerung von (8) Milliarden Menschen mit einem Lebensstandard zu erreichen und zu erhalten, der bis vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal denkbar war.8 Aus dieser Perspektive sollten die langfristigen Auswirkungen der aktuellen Pandemie in einem Kontext viel gr\u00f6\u00dferer und tiefgreifenderer Ver\u00e4nderungen, an die sich die Marktwirtschaften kontinuierlich und ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten anpassen, relativiert werden. Unsere Analyse sollte daher jetzt zur Untersuchung der kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der aktuellen Pandemie zur\u00fcckkehren, die aufgrund ihrer gr\u00f6\u00dferen N\u00e4he als bedeutender angesehen werden k\u00f6nnten als die angesprochenen langfristigen, tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Unsicherheit und Geldnachfrage<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir beenden diesen ersten Teil unseres Beitrags mit dem Hinweis auf die Auswirkungen der durch die Pandemie erzeugten Unsicherheit, insbesondere weil sie, wie wir im letzten Teil sehen werden, eine noch ultralockere fiskalische und vor allem geldpolitische Interventionspolitik erm\u00f6glicht hat, die in der Geschichte beispiellos ist. Die Interventionspolitik stellt eine gro\u00dfe Gefahr dar und wird sehr wahrscheinlich nicht ohne schwerwiegende Folgen bleiben, sobald die aktuelle Pandemie \u00fcberwunden ist.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann der Einfluss einer Pandemie auf die Unsicherheit und damit auf die Geldnachfrage zwischen zwei antagonistischen Extremen oszillieren. Einerseits gibt es den Fall einer Pandemie, die so schwerwiegend war, dass sie, wie wir bereits bei der Beulenpest in Florenz in der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts gesehen haben und die von Boccaccio im <em>Dekameron <\/em>so gut beschrieben wurde, statt Ungewissheit f\u00fcr einen sehr bedeutenden Teil der Bev\u00f6lkerung die Gewissheit erzeugte, dass ihre Tage gez\u00e4hlt waren und dass daher ihre Lebenserwartung drastisch reduziert war. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es verst\u00e4ndlich, dass die Geldnachfrage einbricht und das Geld einen gro\u00dfen Teil seiner Kaufkraft verliert in einem Kontext, in dem sich niemand von G\u00fctern und Dienstleistungen trennen will, deren Produktion weitgehend zusammengebrochen ist und die die meisten Menschen so schnell wie m\u00f6glich konsumieren wollen.<\/p>\n<p>Von gr\u00f6\u00dferem analytischem Interesse f\u00fcr unsere Zwecke ist nun der Fall von Pandemien wie der aktuellen, die viel weniger schwerwiegend sind und bei denen, obwohl das \u00dcberleben des gr\u00f6\u00dften Teils der Bev\u00f6lkerung nicht gef\u00e4hrdet ist, vor allem in den ersten Monaten eine zunehmende Ungewissheit hinsichtlich des Ausma\u00dfes, der Entwicklung und der Geschwindigkeit der Ansteckung und ihrer wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen besteht. Bargeldguthaben sind das Mittel schlechthin, um mit der unausweichlichen Ungewissheit der Zukunft fertig zu werden, da sie es den Wirtschaftsakteuren und den Haushalten erlauben, sich alle Optionen offen zu halten und sich somit sehr schnell und einfach an jeden zuk\u00fcnftigen Umstand anpassen zu k\u00f6nnen, sobald dieser eintritt. Angesichts dessen ist es verst\u00e4ndlich, dass die normale Zunahme der Unsicherheit, die sich aus der aktuellen Pandemie ergibt, von einem gleichzeitigen Anstieg der Geldnachfrage und damit, unter sonst gleichen Bedingungen, der Kaufkraft des Geldes begleitet wurde. Dieser Effekt l\u00e4sst sich mit unseren Dreiecksdiagrammen der Produktionsstrukturen in Bezug auf die Geldnachfrage visualisieren (Grafik 4), und zwar als gleichm\u00e4\u00dfige Bewegung nach links von der entsprechenden Hypotenuse, falls die Zeitpr\u00e4ferenzrate nicht ver\u00e4ndert wird (Grafik &#8220;a&#8221;), oder mit Bewegungen nach links bei einem relativen Investitionsanstieg (wenn die Kassenhaltung erh\u00f6ht wird, indem der Konsum reduziert wird, Grafik &#8220;b&#8221;), oder bei einem relativem Konsumanstieg (wenn neues Geld akkumuliert wird, indem Kapitalg\u00fcter und Finanzanlagen verkauft werden, der Konsum indes nicht reduziert wird, Grafik &#8220;c&#8221;).<\/p>\n<p>Drei m\u00f6gliche Effekte auf die Produktionsstruktur durch eine Erh\u00f6hung der Geldnachfrage im Zuge der Pandemie:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8196 size-full\" src=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-4.png\" alt=\"\" width=\"521\" height=\"159\" data-id=\"8196\" srcset=\"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-4.png 521w, https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbildung-4-300x92.png 300w\" sizes=\"(max-width: 521px) 100vw, 521px\" \/><\/p>\n<p>Obwohl jedes dieser drei Ergebnisse theoretisch m\u00f6glich ist, ist es am wahrscheinlichsten, dass unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden eine Kombination von ihnen eingetreten ist, und zwar insbesondere der unter (a) und (b) beschriebenen Situationen. Daher werden sich diese mit denen \u00fcberschneiden, die wir bereits in den vorangegangenen Abschnitten analysiert und in unsere Abbildungen aufgenommen haben. Um diese Effekte besser zu verstehen, hatten wir diese zun\u00e4chst separat analysiert, und die Effekte, die sich aus der m\u00f6glichen Erh\u00f6hung der Geldnachfrage ergeben, \u00fcberhaupt nicht ber\u00fccksichtigt. Nun haben wir diese Effekte in unsere Analyse aufgenommen. Es m\u00fcssen drei wichtige \u00dcberlegungen zur Erh\u00f6hung der Unsicherheit und der Geldnachfrage, die sich aus der Pandemie ergibt, angestellt werden.<\/p>\n<p>Erstens ist der Anstieg der Unsicherheit (und der damit einhergehende Anstieg der Geldnachfrage) vor\u00fcbergehend und relativ kurzlebig, da er sich tendenziell wieder umkehrt, sobald sich &#8220;das Ende des Tunnels&#8221; abzeichnet und Erwartungen auf Besserung aufkommen. Deshalb und ohne die Zeit der \u00dcberwindung der Pandemie (etwa zwei Jahre) abwarten zu m\u00fcssen, wird es allm\u00e4hlich zu einer R\u00fcckkehr zu &#8220;normalen&#8221; Niveaus der Unsicherheit kommen, und damit werden sich die in den Diagrammen &#8220;a&#8221;, &#8220;b&#8221; und &#8220;c&#8221; beschriebenen Bewegungen in die entgegengesetzte Richtung umkehren, was dazu f\u00fchrt, dass die Produktionsstruktur in monet\u00e4rer Hinsicht zu ihrer vorherigen Situation zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Zweitens: In dem Ma\u00dfe, in dem sich die neuen Geldsalden ansammeln, die die Nachfrage nach Konsumg\u00fctern verringern (Grafiken &#8220;a&#8221; und &#8220;b&#8221;) &#8211; und das wird auf jeden Fall in Bezug auf die am st\u00e4rksten von Mobilit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen betroffenen Sektoren (Tourismus, Hotels etc.) der Fall sein &#8211; wird diese geringere monet\u00e4re Nachfrage nach Konsumg\u00fctern tendenziell ein betr\u00e4chtliches Volumen an unverkauften Konsumg\u00fctern hinterlassen, das es erm\u00f6glicht, sowohl die Verlangsamung ihrer Produktion zu bew\u00e4ltigen, die sich aus den unvermeidlichen Engp\u00e4ssen und der mehr oder weniger starken Einschr\u00e4nkung ihrer Produktion ergibt, als auch die Nachfrage, die sich aus der Notwendigkeit ergibt, den Konsum all derer fortzusetzen, die in den ersten Monaten der Auswirkungen der Pandemie ihre Arbeit ganz oder teilweise eingestellt haben. Daher spielt der Anstieg der Geldnachfrage eine wichtige Rolle bei der Bew\u00e4ltigung des Angebotsschocks, der durch die erzwungene Einschr\u00e4nkung der Produktion von Konsumg\u00fctern entsteht, und verhindert so, dass die Konsumg\u00fcterpreise zum gro\u00dfen Nachteil der breitesten Bev\u00f6lkerungsschichten relativ zu den Produktionsg\u00fcterpreisen in die H\u00f6he schnellen.<\/p>\n<p>Drittens und letztens ist darauf hinzuweisen, dass die Unsicherheit noch weiter zunehmen und sogar \u00fcber das hinausgehen kann, was unbedingt notwendig ist und was die Pandemie von selbst ausgel\u00f6st h\u00e4tte. Denn der geld-, fiskal- und steuerpolitischen Interventionismus der Regierungen und vermag ohne Zweifel und wie wir im dritten Abschnitt noch genauer sehen werden, ein zus\u00e4tzliches Klima der unternehmerischen Unsicherheit erzeugen, welches die schnelle Erholung des Marktes behindern und dem unternehmerischen Prozess die R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t erschweren kann. Dies k\u00f6nnte sogar den perversen R\u00fcckkopplungsprozess reproduzieren, den ich in meinem Artikel \u00fcber &#8220;Die Japanisierung der Europ\u00e4ischen Union&#8221;(9) ausf\u00fchrlich untersucht habe. Bei diesem Prozess hat die massive Zufuhr von Geldmengen und die Senkung der Zinss\u00e4tze auf Null durch die Zentralbanken keine nennenswerten Auswirkungen auf die Wirtschaft. Diese Politik vereitelt sich selbst, da sie durch die gleichzeitige Erh\u00f6hung der Geldnachfrage sterilisiert wird. Diese Erh\u00f6hung der Geldnachfrage resultiert aus den Opportunit\u00e4tskosten der Liquidit\u00e4tshaltung von Null und vor allem aus der zus\u00e4tzlichen Erh\u00f6hung der Unsicherheit, die durch die Politik der st\u00e4rkeren wirtschaftlichen Regulierung, der Blockierung anstehender Strukturreformen, der Steuererh\u00f6hungen, des Interventionismus und des fiskalischen und monet\u00e4ren Kontrollverlusts entsteht.<\/p>\n<p>________________________<\/p>\n<p>(1) Der Autor dieser Zeilen wird nie den Bericht seines Freundes Arthur Seldon vergessen. Seldon erz\u00e4hlte, wie er seine Eltern verlor. Nach seinem Abschluss an der London School of Economics war Seldon zusammen mit Lord Harris of High Cross der erste Generaldirektor des Institute of Economic Affairs (IEA) in London, ein angesehenes Mitglied der Mont Pelerin Society und ein gro\u00dfer Polygraph und Verfechter der Marktwirtschaft. Beide Eltern starben &#8211; im Alter von drei\u00dfig Jahren &#8211; als er noch sehr jung war, an den Folgen der Spanischen Grippe, und das innerhalb eines kurzen Zeitintervalls. Arthur Seldon wurde daher im Alter von zwei Jahren Vollwaise und wurde von anderen Eltern adoptiert. Im Laufe der Jahre war Seldon in der Lage, dieses traumatische Erlebnis zu \u00fcberwinden, das ihn jedoch mit einem Stottern zur\u00fccklie\u00df, das ihn f\u00fcr den Rest seines Lebens nicht mehr verlassen sollte. Trotz dessen wurde er zu einem der brillantesten Wirtschaftswissenschaftler Gro\u00dfbritanniens, der Margaret Thatchers konservative Revolution, die in den sp\u00e4ten siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann, in hohem Ma\u00dfe inspirierte. Siehe, Arthur Seldon, <em>Capitalismo<\/em>, Uni\u00f3n Editorial, Madrid 1994, insbesondere die Seiten 58 und 77.<\/p>\n<p>(2) Vgl. bspw. Murray N. Rothbard, <em>La Gran Depresi\u00f3n<\/em>, Uni\u00f3n Editorial, Madrid 2013. Oder Murray, N. Rothbard<em>. America\u00b4s Great Depression<\/em>, Ludwig von Institute, Auburn 2001.<\/p>\n<p>(3) Siehe zum Beispiel den Fall von Carlo Maria Cipolla, der die Auswirkungen des Schwarzen Todes des 14. Jahrhunderts in seinem Buch <em>El gobierno de la moneda: ensayos de historia monetaria<\/em>, Editorial Cr\u00edtica, Barcelona 1994, S. 147-152, kommentiert, und meine Kritik an Cipolla in <em>Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen<\/em>, Lucius&amp;Lucius, Stuttgart 2011, S. 48-49 und insbesondere Anmerkung 113. Die zerst\u00f6rerische Paranoia erreicht jedoch ihren H\u00f6hepunkt bei Paul Krugman, der in seinem 2011 ver\u00f6ffentlichten Artikel &#8220;Oh! What a lovely war&#8221; so weit ging zu behaupten, dass &#8220;der Zweite Weltkrieg das gro\u00dfe nat\u00fcrliche Experiment \u00fcber die Auswirkungen einer gro\u00dfen Erh\u00f6hung der \u00f6ffentlichen Ausgaben ist und als solches immer als wichtiges positives Beispiel (!) f\u00fcr alle diejenigen gedient hat, die eine aktivistische Haltung angesichts einer deprimierten Wirtschaft bef\u00fcrworten&#8221;. Zitiert von J.R. Rallo in seinem Prolog zu La Gran Depresi\u00f3n, op. cit., S. XXVI-XXVII.<\/p>\n<p>(4) &#8220;Alle, als erwarteten sie, den Tod noch am selben Tag kommen zu sehen, bem\u00fchten sich mit allem Verstand, nicht zu den zuk\u00fcnftigen Fr\u00fcchten der Tiere und der Erde und ihrer vergangenen Arbeit beizutragen, sondern zu verzehren, was sie zur Hand hatten.&#8221; G. Boccaccio, Das Dekameron, Erster Tag, Ende des zweiten Absatzes, und meine Kommentare zu John Hicks&#8217; Ausf\u00fchrungen zu diesem Thema (<em>Capital and Time: A Neo-Austrian Theory<\/em>, Clarendon, Oxford 1973, S. 12-13), enthalten in Jes\u00fas Huerta de Soto, <em>Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen<\/em>, S. 48 und 243.<\/p>\n<p>(5 )Ibidem, S. 242-243.<\/p>\n<p>(6) Abgesehen nat\u00fcrlich von denen, die schon vor der Pandemie existierten und zur Liquidation oder Umstellung anstanden.<\/p>\n<p>(7) Bei der sogenannten &#8220;Spanischen Grippe&#8221; betrug dieser Zeitraum etwas mehr als zwei Jahre. In der aktuellen Pandemie von COVID-19 und trotz der Impfstoffe gehen wir davon aus, dass diese zweite Phase eine \u00e4hnliche Dauer haben wird, vielleicht ein paar Monate weniger.<\/p>\n<p>(8) Siehe neben vielen anderen Studien, Hans Rosling, <em>Factfulness<\/em>, Sceptre, London 2018.<\/p>\n<p>(9) Jes\u00fas Huerta de Soto, \u201cLa Japonizaci\u00f3n de la Uni\u00f3n Europea\u201d, <em>Procesos de Mercado<\/em>, Vol. XVI, n\u00ba 2, oto\u00f1o 2019, S. 317-342. Englische \u00dcbersetzung: \u201eThe Japanization of the European Union,\u201c verf\u00fcgbar auf <em>mises.org<\/em>: <u>https:\/\/mises.org\/wire\/japanization-european-union<\/u>. Deutsche \u00dcbersetzung: \u201eDie<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"parent":8160,"menu_order":0,"template":"","article-language":[],"class_list":["post-8185","articulo","type-articulo","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/articulo\/8185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/articulo"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/articulo"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/articulo\/8160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"article-language","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.jesushuertadesoto.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/article-language?post=8185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}